Notarzt in Nordsyrien „Türkische Invasion hat Kaskade menschlicher Tragödie ausgelöst“ Deutschlandfunk 31.10.2019

Als Muster ohne Wert und propagandistisches Mittel hat der deutsche Notfallmediziner Michael Wilk die sogenannte Waffenruhe im nordsyrischen Kriegsgebiet bezeichnet. „Uns wurden von Anfang an in der Waffenruhe Schwerstverletzte, Sterbende und Misshandelte in die Notaufnahme gebracht“, sagte Wilk im Dlf.

Michael Wilk im Gespräch mit Philipp May https://www.deutschlandfunk.de/notarzt-in-nordsyrien-tuerkische-invasion-hat-kaskade.694.de.html?dram:article_id=462263

Von der Türkei unterstützte syrische Milizionäre beobachten Rauchsäulen von Kämpfen in der Nähe der Stadt Ras al-Ein (AFP/Nazeer Al-khatib)Von der Türkei unterstützte syrische Milizionäre beobachten Rauchsäulen von Kämpfen in der Nähe der Stadt Ras al-Ein (AFP/Nazeer Al-khatib

Philipp May: Wir bleiben in Syrien. Die von der Türkei und Russland vereinbarte sogenannte Waffenruhe im Norden des Landes ist seit Dienstag abgelaufen. Ab morgen wollen beide Länder gemeinsam in der sogenannten Schutzzone patrouillieren. Das gab zumindest der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bekannt. Unterdessen hat die von Moskau protegierte syrische Regierung die Kurden zum gemeinsamen Kampf gegen die Türkei aufgerufen. Die Lage ist verworren und klar ist wie immer eigentlich nur das eine: Leidtragend ist die Zivilbevölkerung.

Der deutsche Arzt Michael Wilk war bis Mittwoch in der sogenannten Schutzzone unterwegs, um Opfer zu versorgen. Jetzt ist er wieder zurück in Deutschland und bei uns am Telefon. Schönen guten Morgen, Herr Wilk.

Michael Wilk: Guten Morgen, Herr May. Ich grüße Sie. – Ich war bis Sonntag da.

Seit 2014 immer wieder im Gebiet

May: Ach, bis Sonntag. Okay! – Wo waren Sie genau?

Wilk: Ich war in Tell Tamer. Abgesehen von der Anreise, da waren wir natürlich in anderen Orten auch, waren wir in Tell Tamer. Ich war Mitglied in einer kleinen Ärztedelegation, die aufgrund der türkischen Invasion extra angereist ist. Ich bin eigentlich seit 2014 immer wieder im Gebiet und kenne das ganz gut. Tell Tamer liegt an der südöstlichen Grenze des von der Türkei okkupierten oder ja jetzt invasierten Gebietes und ist zurzeit heftig umkämpft, weil die Türkei weiter versucht, ihre okkupierten Gebiete da zu expandieren.

Vertriebene Syrer gehen über eine schlammige Hauptallee in einem Lager in der Nähe des Dorfes Kafr Lusin, in Idlibs nördlicher Landschaft, nahe der syrisch-türkischen Grenze. (AFP / Aaref Watad) (AFP / Aaref Watad) Türkei und Nordsyrien – „Eine Katastrophe für Jesiden und Christen“
Die türkische Offensive in Syrien hat auch Auswirkungen auf die religiösen Minderheiten der Region. Sie fürchten vor allem die Verbündeten der Türkei, syrische Milizen. Experten warnen: Durch neue Fluchtbewegungen könnte es in Nordsyrien bald keine Jesiden und Christen mehr geben.

May: Aber das heißt, sie waren vor allem während der sogenannten Waffenruhe da. Gab es die für Sie in irgendeiner Form?

Wilk: Na ja. Der Ausdruck Waffenruhe, kann ich nur sagen, ist für mich ein Muster ohne Wert, war propagandistisch eingesetzt, um zu vermitteln, man wolle irgendetwas Gutes tun für die Region. Es wird allerdings überhaupt nichts Gutes getan für die Region. Während wir da waren – wie gesagt, ich bin als Notfallmediziner da gewesen –, wurden uns von Anfang an in der Waffenruhe selbst Schwerstverletzte, Sterbende, Misshandelte in die Notaufnahme dieses kleinen Krankenhauses gebracht, was direkt an der Front liegt. Von einer Waffenruhe kann überhaupt nicht die Rede gewesen sein.

May: Wie viele Menschen waren das? Sie haben rund um die Uhr gearbeitet?

Wilk: In den ersten fünf Stunden habe ich es mal gemessen, weil danach habe ich aufgehört zu zählen. In den ersten fünf Stunden hatten wir vier Schwerverletzte, die durchsiebt waren von Schüssen oder auch von Mineneinschlägen schwer getroffen waren. Das heißt, im Grunde genommen hatten wir von Anfang an alle Hände voll zu tun, und an manchen Tagen ging das Tag und Nacht weiter. Wir mussten nachts zum Teil operieren, Schussverletzungen oder wie gesagt auch sterbende Menschen der Zivilbevölkerung. Es waren nicht nur Verteidigungskräfte der SDF betroffen, sondern auch Menschen, die einfach dort in den Häusern geblieben waren.

Aufbau eines Modells, das im Gegensatz zum Assad-Regime steht

May: SDF – Syrische Demokratische Einheiten, um das noch mal ganz kurz zu erklären. Das sind die kurdischen Truppen. – Von wem kamen denn die Angriffe, ausschließlich von der Türkei?

Wilk: Das werde ich gerne gefragt von journalistischer Seite – zurecht. Man könnte ja auch sagen, es sind nicht nur kurdische Menschen in der Region. Man versucht ja, in dieser Region seit Jahren ein selbstverwaltetes System aufzubauen, Männer und Frauen gleichberechtigt, und da leben auch assyrische, aramäische, christliche Leute und auch arabische. Die versuchen gemeinsam, dieses Gesellschaftsmodell aufzubauen, was auch im Gegensatz steht zum Assad-Regime. Diese Menschen wehren sich natürlich.

Man könnte jetzt sagen, die hätten die türken angegriffen, aber ich erzähle gerne, dass eine internationale Journalistengruppe am Samstag zum Beispiel hinter dem letzten Checkpoint auf kurdischer Seite angegriffen wurde von der türkischen Armee, vor allem von Bodentruppen. Die Türkei setzt ja islamistisch-dschihadistische Bodentruppen ein, die sie in Idlib rekrutiert, ehemalige IS-Kämpfer auch darunter, oder El-Kaida-nahe Leute, ehemalige Al-Nusra-Front-Leute. Das sind die, die vor allem am Boden eingesetzt werden. Die griffen diese internationale Journalistengruppe an, und ich nehme dieses Beispiel deshalb gerne, weil ja eine Journalistengruppe wohl kaum auf türkische bewaffnete Einheiten losgeht. Die wurden angegriffen, flohen dann in heller Aufregung, trafen im Krankenhaus ein und berichteten dann bei uns über diesen Angriff der türkischen Seite.

Das mag als Beispiel genügen, von wem da im Grunde genommen die Expandierungsaggression ausgeht.

Wie gesagt: Momentan ist Tell Tamer, wo wir vor zwei, drei Tagen waren, schwer umkämpft, weil die türkische Armee mit Luftangriffen oder auch mit schweren Waffen am Boden versucht, diese kleine Stadt einzunehmen, in der Christen, muslimische Leute und arabische Leute, kurdische Leute friedlich zusammenleben. Viele Geflohene waren dort, die sind jetzt inzwischen wieder auf der Flucht. Wir reden von 300.000 Leuten, die in dem Gebiet unterwegs sind, zwei bis 300.000 Leute sind erneut auf der Flucht, nachdem die Region eigentlich vorher relativ ruhig war.

Flucht in Richtung der ehemaligen Provinzhauptstadt Hasaka

May: Und die fliehen dann weiter ins Landesinnere, nach Syrien, in das Gebiet von Assad?

Wilk: Soweit fliehen sie nicht, weil das Assad-Regime ist bei den meisten Menschen nicht sonderlich beliebt. Man versuchte ja, sein eigenes Gesellschaftsmodell in Abgrenzung zum Assad-Regime, zum totalitären Assad-Regime aufzubauen. Die fliehen eher in Richtung der ehemaligen Provinzhauptstadt Hasaka, die 30 Minuten entfernt liegt, oder in Richtung der Großhauptstadt Kamischlo, Kamischli, wie manche sagen, oder in die östlichen Gebiete des Gebietes Rojava, wie die kurdische Region dort genannt wird. Aber wie gesagt nicht nur Kurden, sondern auch Assyrer, Aramäer und Araber versuchen das gemeinsam.

Die Lage ist wirklich desaströs, kann man sagen. Die Menschen sind jetzt geflohen. Sehr viele sind in Schulen geflohen, leben auf engstem Raum in drangvoller Enge. In Schulen ist es tragisch, weil 70 bis 80.000 Kinder können jetzt nicht zur Schule gehen dort, was eh schwierig ist in einem Land, wo die Perspektive fraglich ist, was Kinder und Jugendliche anbelangt. Der kurdische Rote Halbmond, mit dem ich seit Jahren zusammenarbeite, hat den Notstand ausgerufen für diese Region, weil natürlich jetzt Versorgungsengpässe auftreten, wenn so viele Menschen auf der Flucht sind. Das heißt Engpässe in Bezug auf medizinische Versorgung. Die wird noch geleistet, aber mit großer Mühe, und man hat die Befürchtung, dass das auch an den Rand des Kollapses gerät. Aber auch Grundnahrungsmittel sind knapp in bestimmten Gebieten. Die türkische Invasion hat eine Kaskade von menschlicher Tragödie ausgelöst.

„Afrin ist jetzt eigentlich annektiertes Gebiet“

May: Jetzt haben die Kurden sich an Assad gewandt. Ich habe es gerade gesagt. Assad hat jetzt auch die Kurden zum gemeinsamen Kampf gegen die Türken aufgerufen. Was haben die Kurden denn von Assad zu erwarten?

Wilk: Das ist in meinen Augen eine besonders tragische Angelegenheit, weil die Türkei macht natürlich im Grunde genommen um die Ecke, über Bande, könnte man sagen, einen billigen Helfer auch für das Assad-Regime, und dahinter steht natürlich nicht nur das Assad-Regime, sondern vor allem die Interessen Russlands, muss man ganz einfach auch sagen.

Das Ganze sieht aus wie eine abgekartete Angelegenheit. Schon vor einem Jahr marschierte ja die türkische Armee mit islamistischen Hilfstruppen in den westlichsten gelegenen Teil dieser Region Rojava ein, in Afrin, und man hätte eigentlich unschwer dort sehen können, was passiert.

Afrin ist jetzt eigentlich annektiertes Gebiet. Es gibt dort türkische Poststellen, es gibt türkische Unterrichtseinheiten, die Schulen machen die Lehrpläne nach türkischem Muster. Es ist eine weitere Region der Türkei geworden und man hätte vor einem Jahr schon sehen können, dass die Türkei mitnichten da irgendwelche Friedenszonen errichtet, sondern sich einfach ein Stück Land greift, um dort dann Leute anzusiedeln, mehr oder weniger freiwillig, die im eigenen Kerngebiet stören. Außerdem dient das Ganze natürlich auch zur Stabilisierung Erdogans Machtbestrebungen, der innenpolitisch ins Wanken geraten ist.

Aber was das Verhältnis zu Assad anbelangt: Es ist eigentlich jetzt so, dass die kurdische, aramäische, arabische Bevölkerung sich versucht hat, dort etwas zu distanzieren, nicht einen eigenen Staat aufzumachen, sondern eine Autonomiezone zu errichten in Kooperation, in vorsichtiger Kooperation mit dem Assad-Regime, was dort noch einzelne Inseln von Einfluss hat.

Aber das wird natürlich jetzt massiv unterminiert, weil jetzt in dem Rahmen nach dem amerikanischen Rückzug natürlich die Menschen gezwungen waren, sich an Assad zu wenden, ehe sie umgebracht werden durch Luftangriffe – sie haben ja keine eigene Luftwaffe, das ist das Problem – und jetzt natürlich Assad das benutzt, um seinen Einfluss wieder in dieses Gebiet auszudehnen und mittelfristig, ich denke, vor allem, wenn Idlib besiegt worden ist, von seiner Seite aus dort wieder das Gebiet unter seine Kontrolle zu kriegen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Camp Al Hol, Rojava, 8/2019, Dr. Michael Wilk

https://www.youtube.com/watch?v=D-T7p_LvoYM

Situation im Camp f. Geflohene, Al Hol, Demokratische Föderation Nord/Ostsyrien, Rojava

Die Bedingungen im Camp Al Hol haben sich seit meinem letzten Aufenthalt Anfang des Jahres nicht geändert. Immer noch leben über 70.000 Menschen, davon extrem viele Kinder und Jugendliche, unter schwierigsten Bedingungen im Camp. Zur Zeit herrschen extreme Temperaturen über 40 Grad im Schatten. Schlimmer ist jedoch die Perspektivlosigkeit und der Mangel von Schulen und Weiterbildung. Ganz zu schweigen von einer notwendigen Auseinandersetzung mit der erlebten IS- Herrschaft.
In dem Lager für Geflohene befinden sich Opfer des IS, aber auch Tausende überzeugte IS-Anhängerinnen, die getrennt von ihren anderenorts inhaftierten Männern, auf engstem Raum lebend, die in ihren Köpfen verankerte IS-Ideologie hochhalten.
Die Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln durch das UNHCR ist gesichert und NGOs wie der Kurdische Rote Halbmond, MSF, Cadus und Medico International geben ihr Bestes für die schwierige medizinische Unterstützung. Das existentielle Problem, wie mit sowohl den erlittenen Traumata, als auch der fixierten IS-Ideologie umzugehen ist, bleibt jedoch vorerst ungelöst. Das wiederum ist brandgefährlich. Denn ohne Schaffung von Perspektiven und ohne psycho-soziale Programme zur Auseinandersetzung mit dem IS, droht das Camp zu einem Reproduktionsort der faschistoid-islamistischen Ideologie zu werden.
Ein notwendiger erster Schritt wäre die Übernahme ausländischer IS-Angehöriger in ihre Herkunftsländer. Eine Aufgabe, vor der sich europäische Staaten drücken und damit die kurdische Selbstverwaltung einmal mehr alleine lassen.

Rojava- nach der türkischen Invasion in Afrin

Michael Wilk in Graswurzelrevolution (22.06.2018)

Dr. Michael Wilk, Notarzt und Psychotherapeut, reist seit 2014 regelmäßig nach Rojava/Nordsyrien. Er unterstützt dort den Kurdischen Roten Halbmond Heyva sor a kurd, der ein wesentliches Element der Gesundheitsversorgung in der Region darstellt. Hsak betreibt Ambulanzen und Apotheken, unterstützt Krankenhäuser, versorgt die Bevölkerung in Kampfgebieten und stellt die medizinische Hilfe in Flüchtlingslagern sicher. Bei seinem vorletzten Aufenthalt war Michael Wilk in Rakka, wo er als Notfallmediziner Verletzte versorgte und HelferInnen von Hsak ausbildete. Im März 2018 reiste er erneut in den Irak und Syrien. Über das Sinjar-Gebiet, wo er die Hilfsorganisation Hoffnungsschimmer in medizinische Fragen bei der Unterstützung jesidischer Projekte beriet, fuhr er weiter nach Rojava und von hier mit einem Hilfskonvoi in die Region Afrin/Schahba.

Graswurzelrevolution (22.06.2018) https://www.linksnet.de/artikel/47478

Bagdad, Sinjar, März 2018

Nach sechsstündiger Fahrt von Bagdad über zum Teil zerstörte Straßen und nach dem Passieren unzähliger Kontrollpunkte, erreichen wir Mosul. Zerbombte Häuser und Straßenzüge zeichnen die vormalige Millionenstadt. Zwei weitere Stunden bis Khanasur. Früher lebten hier 45.000 Menschen – bis zum 3. August 2014, als der IS über die Jesiden in der Region Schengal/Sinjar herfiel. Die Peschmerga, für die militärische Verteidigung im kurdischen Teil des Iraks zuständig, flohen und überließen die Menschen dem IS, der mordete, vergewaltigte und versklavte. Heute leben in der Stadt nur noch 3.000 Menschen. Der Genozid an den Jesiden forderte abertausende Opfer, die Schätzungen der entführten und versklavten Frauen und Kinder belaufen sich auf über 10.000, viele Menschen überlebten nur, weil sie sich, ums nackte Leben rennend, in die nahen Berge retteten. Wir stoßen auf Menschen, deren Erzählungen mit erschreckender Deutlichkeit klarmachen, dass die erlittenen Ängste und Qualen, nicht mit der Befreiung vom IS endeten….“ weiter https://www.linksnet.de/artikel/47478

Redebeitrag von Dr. Michael Wilk für den Ostermarsch Mainz-Wiesbaden am 31. März 2018

„Liebe Freundinnen und Freunde,

rund 21 Millionen Einwohner lebten in Syrien, ca. 500.000 sind gestorben, ca. 11 Millionen sind auf der Flucht, 5 Millionen davon im Ausland.
Mit der Besetzung Afrins geht das Morden und Sterben weiter – erreicht das Elend einen neuen Höhepunkt.
Hunderttausende sind erneut auf der Flucht. Ich war noch vor wenigen Tagen im Gebiet Afrin/Sheba nördlich von Aleppo. Zehntausende kampieren noch unter freiem Himmel, es fehlt an allem: Unterbringung, Nahrung, medizinischer Versorgung.

Die türkische Aggression wäre nicht möglich ohne die Duldung und Unterstützung durch BRD und EU. Es sind nicht nur Waffengeschäfte, es geht um Einflußzonen und ökonomisch/militärischen Machterhalt…“ https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2018/reden/michael-wilk-wiesbaden

Rojava- Nach dem IS…

Ein Gespräch mit dem Arzt Michael Wilk über die Lage der Flüchtlinge, den Wiederaufbau und die Perspektiven der Gesundheitsversorgung in Rojava.

medico international unterstützt im nordsyrischen Rojava medizinische Nothilfe für Flüchtlinge in der Region und den langfristigen Aufbau einer funktionierenden Gesundheitsversorgung. Mit Michael Wilk, Notfallmediziner und Psychotherapeut, haben wir über die aktuelle Situation der Menschen in Rojava und besonders über die Entwicklungen im Bereich der Gesundheitsversorgung gesprochen.

medico:Du fährst seit 2014 regelmäßig nach Rojava und bist dort als Arzt aktiv. Was genau machst du vor Ort?

Michael Wilk: Seit 2014 war ich inzwischen sechs Mal dort. Ich unterstütze vor allem den kurdischen Halbmond und arbeite mit ihm eng zusammen. Der kurdische rote Halbmond (Heyva Sor a Kurd) ist ein unabhängiger kurdisch-syrischer Gesundheitsdienst, der eigenständig im Bereich Notfallversorgung und Strukturaufbau, z.B. Ambulatorien und Kliniken, arbeitet. Ich versuche, nicht nur einzelne Leute in Notfallsituationen zu versorgen, sondern möglichst nachhaltig zu arbeiten: also auch Menschen vor Ort in strukturellen oder logistischen Bereichen zu unterrichten, um ihnen verbesserte Grundlagen für die weitere Arbeit zu vermitteln. https://www.medico.de/nach-dem-is-16922