Camp Al Hol, Rojava, 8/2019, Dr. Michael Wilk

https://www.youtube.com/watch?v=D-T7p_LvoYM

Situation im Camp f. Geflohene, Al Hol, Demokratische Föderation Nord/Ostsyrien, Rojava

Die Bedingungen im Camp Al Hol haben sich seit meinem letzten Aufenthalt Anfang des Jahres nicht geändert. Immer noch leben über 70.000 Menschen, davon extrem viele Kinder und Jugendliche, unter schwierigsten Bedingungen im Camp. Zur Zeit herrschen extreme Temperaturen über 40 Grad im Schatten. Schlimmer ist jedoch die Perspektivlosigkeit und der Mangel von Schulen und Weiterbildung. Ganz zu schweigen von einer notwendigen Auseinandersetzung mit der erlebten IS- Herrschaft.
In dem Lager für Geflohene befinden sich Opfer des IS, aber auch Tausende überzeugte IS-Anhängerinnen, die getrennt von ihren anderenorts inhaftierten Männern, auf engstem Raum lebend, die in ihren Köpfen verankerte IS-Ideologie hochhalten.
Die Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln durch das UNHCR ist gesichert und NGOs wie der Kurdische Rote Halbmond, MSF, Cadus und Medico International geben ihr Bestes für die schwierige medizinische Unterstützung. Das existentielle Problem, wie mit sowohl den erlittenen Traumata, als auch der fixierten IS-Ideologie umzugehen ist, bleibt jedoch vorerst ungelöst. Das wiederum ist brandgefährlich. Denn ohne Schaffung von Perspektiven und ohne psycho-soziale Programme zur Auseinandersetzung mit dem IS, droht das Camp zu einem Reproduktionsort der faschistoid-islamistischen Ideologie zu werden.
Ein notwendiger erster Schritt wäre die Übernahme ausländischer IS-Angehöriger in ihre Herkunftsländer. Eine Aufgabe, vor der sich europäische Staaten drücken und damit die kurdische Selbstverwaltung einmal mehr alleine lassen.

Herrschaftsfrei statt populistisch. Aspekte anarchistischer Gesellschaftskritik.

„Herrschaftsfrei statt populistisch. Aspekte anarchistischer Gesellschaftskritik.“

„Vorbemerkung der Autoren:

Die vorliegenden Texte erheben nicht den Anspruch, eine umfassende Staats- und Gesellschaftskritik zu leisten. Es geht uns vielmehr um Aspekte anarchistischer Staats- und Gesellschaftskritik, die belegen können, dass eine solche Kritik zeitgemäß und notwendig ist.

   Ein Staatssystem, dem es gelingt, den sozialen Körper einer Gesellschaft mit Machtstrukturen zu überziehen und zu durchdringen, das also mehr denn je durch den Menschen „hindurch“ und weniger „über“ ihn herrscht, wird von diesen anders wahrgenommen. Herrschaftssicherung, die durch die Einbeziehung der Menschen erfolgt und die Methoden offener Unterdrückung eher zu vermeiden sucht, beziehungsweise nur für Nicht-Integrierbare einsetzt, wirkt subtil, und ist damit schwerer durchschaubar. Der sich aktuell ausbreitende Populismus als Herrschaftsstrategie bedient sich der Benachteiligten, der Ausgegrenzten und Ausgebeuteten und suggeriert in ihrem Namen zu sprechen. Eine gefährliche Strategie, die in moderner Form aufgreift, was vormals der völkische Gedanke im Faschismus bezweckte: die eigentlichen Widersprüche durch die Zugehörigkeitsgefühle zum großen Ganzen zu überdecken.

   Es geht uns darum, aufzuzeigen, dass die anarchistische Herangehensweise in der Lage ist, auf einen sich verändernden Staat – auch wenn er sich populistischer Methoden bedient – zu reagieren, die neuen Bedingungen zu analysieren und Ansätze adäquater Strategien zu entwickeln.“

Wolfgang Haug und Michael Wilk 1. Auflage. Edition AV, Lich 2018, ISBN 978-3-86841-207-9

Rojava- nach der türkischen Invasion in Afrin

Michael Wilk in Graswurzelrevolution (22.06.2018)

Dr. Michael Wilk, Notarzt und Psychotherapeut, reist seit 2014 regelmäßig nach Rojava/Nordsyrien. Er unterstützt dort den Kurdischen Roten Halbmond Heyva sor a kurd, der ein wesentliches Element der Gesundheitsversorgung in der Region darstellt. Hsak betreibt Ambulanzen und Apotheken, unterstützt Krankenhäuser, versorgt die Bevölkerung in Kampfgebieten und stellt die medizinische Hilfe in Flüchtlingslagern sicher. Bei seinem vorletzten Aufenthalt war Michael Wilk in Rakka, wo er als Notfallmediziner Verletzte versorgte und HelferInnen von Hsak ausbildete. Im März 2018 reiste er erneut in den Irak und Syrien. Über das Sinjar-Gebiet, wo er die Hilfsorganisation Hoffnungsschimmer in medizinische Fragen bei der Unterstützung jesidischer Projekte beriet, fuhr er weiter nach Rojava und von hier mit einem Hilfskonvoi in die Region Afrin/Schahba.

Graswurzelrevolution (22.06.2018) https://www.linksnet.de/artikel/47478

Bagdad, Sinjar, März 2018

Nach sechsstündiger Fahrt von Bagdad über zum Teil zerstörte Straßen und nach dem Passieren unzähliger Kontrollpunkte, erreichen wir Mosul. Zerbombte Häuser und Straßenzüge zeichnen die vormalige Millionenstadt. Zwei weitere Stunden bis Khanasur. Früher lebten hier 45.000 Menschen – bis zum 3. August 2014, als der IS über die Jesiden in der Region Schengal/Sinjar herfiel. Die Peschmerga, für die militärische Verteidigung im kurdischen Teil des Iraks zuständig, flohen und überließen die Menschen dem IS, der mordete, vergewaltigte und versklavte. Heute leben in der Stadt nur noch 3.000 Menschen. Der Genozid an den Jesiden forderte abertausende Opfer, die Schätzungen der entführten und versklavten Frauen und Kinder belaufen sich auf über 10.000, viele Menschen überlebten nur, weil sie sich, ums nackte Leben rennend, in die nahen Berge retteten. Wir stoßen auf Menschen, deren Erzählungen mit erschreckender Deutlichkeit klarmachen, dass die erlittenen Ängste und Qualen, nicht mit der Befreiung vom IS endeten….“ weiter https://www.linksnet.de/artikel/47478

Rojava- nach der türkischen Invasion in Afrin

Michael Wilk in Graswurzelrevolution (22.06.2018)

Dr. Michael Wilk, Notarzt und Psychotherapeut, reist seit 2014 regelmäßig nach Rojava/Nordsyrien. Er unterstützt dort den Kurdischen Roten Halbmond Heyva sor a kurd, der ein wesentliches Element der Gesundheitsversorgung in der Region darstellt. Hsak betreibt Ambulanzen und Apotheken, unterstützt Krankenhäuser, versorgt die Bevölkerung in Kampfgebieten und stellt die medizinische Hilfe in Flüchtlingslagern sicher. Bei seinem vorletzten Aufenthalt war Michael Wilk in Rakka, wo er als Notfallmediziner Verletzte versorgte und HelferInnen von Hsak ausbildete. Im März 2018 reiste er erneut in den Irak und Syrien. Über das Sinjar-Gebiet, wo er die Hilfsorganisation Hoffnungsschimmer in medizinische Fragen bei der Unterstützung jesidischer Projekte beriet, fuhr er weiter nach Rojava und von hier mit einem Hilfskonvoi in die Region Afrin/Schahbahttps://www.linksnet.de/artikel/47478